Hintergründe

Jede Grenzsteinlinie hat ihre Hintergründe. Diese wollen wir hier suchen, ausgraben und veröffentlichen...

In seiner Zeitschrift "Der Bergfried" (Dezember 1957, Nr. 12) veröffentlichte der Historiker zum Themenbereich der Reichsstadt Rothenburg, Herr Dr. Giessberger, folgenden Text zum Thema der Hegesteine in der Landhege Nord (AN-SR-1405):

"(...) Als Beispiel hierfür möge zunächst der in wenigen Resten erhaltene Nordzug der Landhege dienen. So finden wir noch heute, mit fortlaufenden Nummern und den zugehörigen Staatswappen versehen, zwölf Landhegesteine auf der Grenzstrecke von Habelsee bis zum Pfeinacher Landturm. Sie tragen die Zahlen 4, 5, 6,  10, 11, 12, 15, 16, 17, 18, 19, 20.
Weitere fünfzehn stehen zwischen der Einöde bei Hinterpfeinach und Reichardsroth. Auf ihnen sind lückenlos, jedoch ohne die Zahl 30, die Nummern von 24 bis 39 verzeichnet.

Der Grenzsaum von Reichardsroth bis Großharbach ist noch mit sechs Steinen besetzt. Benummert sind sie mit 43, 45, 46, 47, 49, 50.

Der 48. Hoheitsstein steht im Garten des Dominikanerinnenklosters zu Rothenburg, wohin er, weil gefährdet, übergeführt wurde.

Unmittelbar bei Großharbach treffen wir auf den 51. Stein. Das "Schlagholz und seine westliche Umgebung birgt weitere sechs Grenzmale mit den Zahlen 55, 56, 57, 60, 64, 65.

Es zeugen also gegenwärtig noch 40 politische Hoheitssteine vom Verlauf der Rothenburger Landwehgrenze im Norden. Im VErtragsjahr 1617 war der nämliche Raum mit 65 Steinen vermarkt. Inzwischen sind demnach 25 Stück abgegangen."

Ergebnisvergleich

Herr Dr. Giessberger konnte also folgende Grenzsteine der Linie AN-SR-1405 im Jahr 1957 als in der Grenzlinie existent bezeichnen:

04, 05, 06, 10, 11, 12, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 43, 45, 46, 47, 49, 50, 51, 55, 56, 57, 60, 64, 65
►40 Grenzsteine existent - 25 abgängig
Wir haben vor Ort folgende Grenzsteine überprüft und registriert (Januar 2019):
04, 05, 06, 07*, 10, 11, 12, 13, 14, 16, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 39, 41, 42, 43, 45, 46, 47, 50, 51, 53, 55, 56, 57, 60, 64, 65
►42 Grenzsteine existent + 1 fraglicher - 23 abgängig

Hieraus darf von einer Fluktuation der Grenzsteine ausgegangen werden, die letztlich zwei Grenzsteine mehr in der Versteinungslinie hervorbrachte. Ein Grenzstein, die Nummer 7 ist fraglich, weil hier die Wappen fehlen.

 

So ist festzuhalten, dass bei der Grenzsteinaufnahme zum Zweck des Denkmalschutzes im Jahr 1980 der Grenzstein 19 als "unter einer Brücke liegend nördlich von Landturm" vermerkt worden ist. Dieser fehlt inzwischen.

 

So sind zwischen 1957 und 2019 folgende Grenzsteine verschwunden: 15, 17, 18, 19, 37, 38

Folgende Grenzsteine sind in der Zwischenzeit offensichtlich wieder vorhanden: evtl. 07*, 13, 14, 21, 22, 23, 41, 42, 53.

Allgemeine Informationen zum Bestand 

Nach unserem aktuellen Ermittlungsstand wurden bereits kurz nach der Machtübernahme durch das Königreich Bayern wohl die ersten der dann vermeintlich nutzlos gewordenen Grenzsteine entfernt, bzw. zusammen mit dem Grund auf dem sie standen verkauft.

Letztlich dann bis 1957 fehlten 25. Hier aber nicht eingerechnet ist Grenzstein -23, der versinkend leicht zu übersehen ist und der -41, der zu dieser Zeit instandgesetzt worden ist.

LETZTLICH FEHLEN AKTUELL 23 GRENZSTEINE IN DER GRENZLINIE.

Manche dieser Grenzsteine wurden zu Baumaterial umgearbeitet, so dass es nicht verwunderlich ist, wenn man im Bereich der ehemaligen Grenze plötzlich ein Wappen im Gemäuer sieht. Manche dieser Grenzsteine sind so zerstört, dass die eingeschlagene Nummer nicht mehr existent ist, bei anderen ist die Form verändert. 

In anderen Fällen wurden  herausgenommene und abgelagerte Grenzsteine durch Privatpersonen abtransportiert und im privaten Bereich gesetzt. Hier ist bislang nicht zu klären, wem die Grenzsteine dann tatsächlich gehörten.

Aufgrund der hier ermittelten Gemengelage ist die Eigentumsfrage der Grenzsteine an sich nicht generalisiert zu beantworten.

Damit sind im Rahmen einer strafrechtlichen Beurteilung die hier möglichen strafrechtlichen Tatbestände wohl entweder nicht hinreichend ermittelbar oder verjährt. In manchen Fällen wurden die Überreste der Grenzsteine, bzw. verbaute Grenzsteine dann auch ersessen und stehen deshalb im Eigentum der bisherigen Besitzer. Dazu ist auch der tatsächlich käufliche Erwerb nicht auszuschließen.

Die Klärung der Eigentumsfrage eines jeden einzelnen Grenzsteins dieser Grenzsteinlinie erscheint vor diesem Hintergrund nicht mehr möglich zu sein...

Vor dem Hintergrund des Umgangs mit diesen Grenzsteinen nach Zuordnung des Territoriums an das Königreich Bayern steht zu vermuten, dass es noch Grenzsteine im Privatbesitz oder öffentlichen Besitz gibt, die nicht mehr in der Grenzlinie stehen.

Einzelinformationen - Ermittlungsergebnisse

AN-SR-1405-001 bis -003: Die Grenzsteine gingen vor 1957 verloren. Die Umstände sind aktuell nicht ermittelt.

AN-SR-1405-007: Der Grenzstein entspricht in Form, Höhe und Material einem Landhegestein, auch entspräche seine Position ungefähr der historischen. Jedoch sind die Hoheitswappen nicht vorhanden. Die Nachforschung in archivalischen Unterlagen ergab, dass im Jahr 1743 an dieser Stelle ein zusätzlicher Hegestein ohne Wappen und ohne Nummer gesetzt worden ist. Wir bezeichnen ihn daher fortan als AN-SR-1405-A06. Die -007 ist abgängig. Da dieser Stein eingangs unter AN-SR-1405-007 geführt war, ist es möglich, dass diese Nummerierung noch vereinzelt vorhanden ist. Auch dieser Grenzstein steht unter Denkmalschutz.

AN-SR-1405-008 bis -009: Die Grenzsteine gingen vor 1957 verloren. Die Umstände sind aktuell nicht ermittelt.

AN-SR-1405-012 bis -016: In diesem Bereich sind die Grenzsteine sehr dicht gesetzt. Während im Jahr 1957 die Grenzsteine -13 und -14 nicht vorhanden waren, fehlt nun die -015. In diesem Bereich ist die Setzung der Steine unstimmig, was auf eine Umsetzung schließen läßt, die dann zwingend im Zeitraum zwischen 1957 und 2019 geschehen sein muss.

Nach Prüfung der Setzungs- und Prüfungsprotokolle und der Messung der Abstände zwischen den Grenzsteinen ist zudem festzustellen, dass Grenzstein AN-SR-1405-016 an der Stelle steht, an der AN-SR-1405-015 stehen sollte, dieser ist aktuell in Privatbesitz. 

AN-SR-1405-017 bis -019: Grenzstein AN-SR-1405-017 befindet sich in Privatbesitz, Grenzstein -018 wurde im Boden versunken aufgefunden. Hier wird die Hebung des Grenzsteins aktuell veranlasst. Grenzstein -019  ging etwa 1980 verloren. Die Umstände sind hier nicht geklärt.

AN-SR-1405-023: Aufgrund seiner Lage und dem Umstand, dass der Stein im Bachbett, in dem er gesetzt ist, sukzessive versinkt, läßt die Vermutung zu, dass er schlicht übersehen worden ist. Die Hebung dieses Grenzsteins wird in Kürze veranlasst werden.

 

AN-SR-1405-037: Der Grenzstein soll sich im Rothenburger Reichsstadtmuseum befinden. Der Umstand wird noch abgeklärt.

AN-SR-1405-038: Aus bislang unbekannten Umständen wurde der Grenzstein etwa um 1980 in Weikersheim aufgefunden (Stadtmuseum). Seitdem aber ist er verschollen. [Analogie zu HG-PG-1804-037 ► http://hg-pg-1804.historische-grenze.de]

AN-SR-1405-048: In der Zeitschrift "Der Bergfried" vom Dezember 1957, beschreibt der Herausgeber, Herr Dr. Giessberger,  zum Stein -048 folgendes: "Der 48. Hoheitsstein steht im Garten des Dominikanerinnenklosters zu Rothenburg, wohin er, weil gefährdet, übergeführt wurde."
Inzwischen scheint dieser Grenzstein den Weg ins Rothenburger Reichsstadtmuseum gefunden zu haben. Dieser Umstand wird noch abgeklärt. In "die Linde" aus dem Jahr 1988 wird mitgeteilt der Grenzstein befände sich im Reichsstadtmuseum mit dem -037.


AN-SR-1405-053: Der Grenzstein befindet sich aktuell in einem Vorgarten, wo er in Form eines Zaun- oder Türpfostens gehauen gesetzt worden ist. Nach Ermittlungen vor Ort wurde dieser Grenzstein am Bauschutt gefunden und dort durch den jetzigen Besitzer durch diese Vorgehensweise gerettet.  Auch dieser Grenzstein steht nun unter Denkmalschutz.

AN-SR-1405-052, 054, 058- 059, 061-063: Diese Grenzsteine sind nicht mehr existent. Deren Verschwinden ist aktuell ungeklärt. Aufgeklärt werden konnten der Verbleib der Grenzsteine -059 und -062, die als  Bausteine Verwendung fanden und -063 ist in Privatbesitz.

Aktuelle Informationen

Sachstand 07.III.2019 - Mit der Veröffentlichung des Zeitungsartikels zum Denkmalschutz der Landhegesteine an der Landhege Nord, erreichten HISTORISCHE GRENZE zahlreiche Hinweise zum Verbleib von bislang vermissten Landhegesteinen.

Die Nachrichten über ihren Zustand waren nicht immer gut, aber inzwischen könnten -die Überprüfungen laufen- bis zu fünf Landhegesteine wieder auftauchen.

Wir werden die Informationen weiter zusammenführen und dann mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege Kontakt aufnehmen, um die Möglichkeiten des Denkmalschutzes für diese gefundenen Steine abzusprechen.

Ob eine Rückkehr der gefundenen Steine an die Grenzlinie möglich ist, darf nach jetzigem Sachstand weitgehend bezweifelt werden.

Ergänzung 05.V.2019 - Die Ermittlungen laufen weiter. Die Grenzsteine AN-SR-1405-015, -017, -018, -059, -062 und -063 sind lokalisiert. Hier gilt es nun deren Erhalt zu sichern und das Verschwinden der historischen Grenzsteine zu verhindern.
Steine im Privatbesitz sind an dieser Grenzlinie im Regelfall durch Grundstücksverkauf des damaligen Königreichs Bayern in privates Eigentum gelangt. Hier ist nur darauf zu achten, dass diese Steine zugänglich bleiben.

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DIE LINDE, Ausgabe Nr. 11 vom November 1988, 78. Jahrgang, Seite 85.

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