Die Rothenburger Landhege ist ein Grabensystem, das die Rothenburger Landwehr, letzteres bezeichnet das Staatsgebiet Rothenburgs, gen Norden, Westen und Süden schützen sollte, im Osten bildet die Frankenhöhe die ungefähre Grenze, die unbefestigt blieb.

Das Grabensystem, das durch den Stadtrat von Rothenburg im Jahr 1420 beschlossen worden ist, hatte eine Länge von 62 km und wurde im Jahr 1480 fertiggestellt. Es schloß ein Herrschaftsgebiet von etwa 350 km² ein.

Die aktuelle Geschichtsforschung sieht die Landhege älter. In den Archivalien wird von einem Schäfer vom Endsee berichtet, der die Hege zerbrochen habe. Das war 1406. So ist zu vermuten, dass die Landhege zumindest in Teilen älter ist.

Die Landhege zog sich von Steinach bei Rothenburg ob der Tauber im Nordosten in einem westlichen Bogen über Lichtel im Nordwesten, Rohrturm im Südwesten bis Wettringen im Südosten.

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Die weiter westlich gelegenen Landwehrdörfer Hachtel, Oberstetten und Wildentierbach blieben ausgespart. Die Landhege schützte das von der Stadt in den Jahrzehnten zuvor von Kleinadeligen der Umgebung erworbene Territorium mit etwa 163 Ortschaften und 40 Burgen vor Plünderungen. Sie war etwa 20 Meter breit und bestand meist aus drei Wällen und zwei Gräben. Sie war mit undurchdringlichen Hecken bepflanzt. Für ihre Pflege waren die Hegemeister zuständig.

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Die wichtigen Durchlässe wurden durch insgesamt neun Landtürme gesichert, an denen auch Zoll erhoben wurde, von Nordost über Nordwest nach Südwest: bei Steinach, Seemühle, Habelsee, Hinterpfeinach, Reichardsroth, Großharbach, Lichtel (Lichteler Landturm), Heimberg, Funkstatt und Hilgartshausen (Rohrturm). In ihnen wohnten die Hegereiter. Im Notfall wurde die Hege von der mit Waffen ausgestatteten Bevölkerung verteidigt. Gut erhalten sind heute noch der Lichteler Landturm, den der Schwäbische Albverein nutzt, und der Großharbacher an der Brücke im Dorf. 

Freiheitsprivileg König Rudolfs von Habsburg für die Stadt Rothenburg aus dem Jahre 1274. (Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Rothenburg, Kaiserselekt 942)

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Die Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber

Die Wurzeln von Rothenburg liegen im heutigen Ortsteil Detwang. Diese Pfarrei wurde um 970 von einem ostfränkischen Adligen namens Reiniger errichtet. Es folgten die Errichtung der Comburg bei Schwäbisch Hall, sowie der Grafenburg auf dem sogenannten Essigkrug oberhalb der Tauber, aus deren geographischer Lage sich der Namenszusatz ob der Tauber ableitet.

1188 wird das castrum Rotenburch in einem Vertrag zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Alfons VIII. von Kastilien, in dem die Ehe zwischen Friedrichs Sohn Herzog Konrad II. von Schwaben und Alfons Tochter Berengaria vereinbart wurde, erwähnt.

 

Die Burg gehörte mit weiteren 29 staufischen Gütern zur Morgengabe der Braut. Allerdings wurde diese Ehe niemals in die Praxis umgesetzt.

Die Erhebung von Rothenburg zur Reichsstadt erfolgte am 15. Mai 1274 durch König Rudolf von Habsburg.

Prominenteste Figur des Mittelalters war Heinrich Toppler (ca. 1340–1408), der mit seiner energischen Politik und seinen Landkäufen das Schicksal der Stadt weit über seinen umstrittenen Tod hinaus beeinflusst hat.

Rothenburg erwarb zunächst 1383 Nordenberg mit Detwang, 1387 Endsee, 1388 Gammesfeld, dann in einer zweiten Phase 1399 Lichtel, 1400 Insingen, 1404 Seldeneck, 1406 Gailnau.

Die Kaufsummen hielten sich in erträglichen Grenzen, zumal bestehende Schulden gegengerechnet wurden. 

Die Aufkäufe Rothenburgs erfolgten ohne Schuldenaufnahme, was der Stadt auch nur zwei Großburgen der näheren Umgebung einbrachte, Nordenberg und Endsee, während der Pfanderwerb der dritten Großburg, Schillingsfürst, scheiterte. 

Rothenburg erwarb aber nicht nur die Gebiete, die heute als Landwehr bekannt sind.  Zusätzlich gehörten auch Dörfer und Güter im Aischgrund, die Feste Landsberg im Steigerwald, der Weinort Eibelstadt am Main, Messelhausen unweit Lauda an der unteren Tauber, Herrenzimmern auf der Hohenloher Ebene, Kirchberg an der Jagst, letzteres als hohenlohisches Pfand im gemeinsamen Besitz der drei Reichsstädte Schwäbisch Hall, Rothenburg und Dinkelsbühl dazu. 

 

Rothenburgs Feindschaft mit dem Bischof von Würzburg und dem Burggrafen von Nürnberg, die sich aus den konkurrierenden Herrschaftsansprüchen ergab, führte 1407 zur Reichsacht Rothenburgs, Die versuchte Eroberung Rothenburgs aber scheiterte. 1408 kam es dann zum Kompromiß: : Rothenburgs Großburgen Nordenberg und Endsee wurden geschleift, ebenso die kleineren Anlagen in Habelsheim, Lichtel und Gammesfeld. Die gegenseitigen Gebiete und Herrschaftsrechte wurden anerkannt.

Von 1500 bis 1806 lag die Stadt im Fränkischen Reichskreis. Ab 1806 gehörte sie dann zum neu gegründeten Königreich Bayern.
 

Die Ausdehnung der Reichsstadt Rothenburg

Der größte Teil der ehemaligen Rothenburgischen Landhege befindet sich heute auf dem Boden des Landes Baden-Württemberg. Napoleon Bona Parte hatte im Jahr 1806 durch die Gründung des Königreichs Württemberg und des Königreichs Bayern das Territorium der ehemaligen Reichsstadt Rothenburg zerschnitten.

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Quelle: Das Rothenburger Gebiet und die umliegenden Herrschaften. Karte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. (Reichsstadtmuseum Rothenburg, StAR 05/07)

entnommen aus: HISTORISCHES LEXIKON BAYERN

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Quellenangabe:

Karte "Rothenburger Landhege" nach Herbert Woltering, Die Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber und ihre Herrschaft über die Landwehr, Karte III: Das Wehrwesen im 15. und 16. Jahrhundert, zusammengestellt nach archivalischem Studium zu Untersuchungen im Landgebiet

Rothenburger Landhege im Bild

Deutlich zu sehen ist das Grabensystem, das aus zwei Gräben und einem mittleren Hügel besteht.

Das Bild zeigt die Reste der Rothenburger Landhege im Bereich östlich von Reichardsroth (Ohrenbach/ LKr. Ansbach), direkt an der hier verlaufenden Kreisgrenze zum Landkreis Neustadt/ Aisch - Bad Windsheim.

Die Rothenburger Landhege steht in ihrer vollen Länge als Bodendenkmal unter Denkmalschutz.

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